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Landung eines Kartoffelchips

Die Firma Hyperschall-Technologie Göttingen (HTG) ist spezialisiert auf die Lösung von strömungstechnischen Problemen bei Raumfahrtprojekten wie der ESA-Initiative ELITE, bei der die Flugeigenschaften von europäischen Trägersystemen untersucht wurden. HTG erforschte am Modell, wie sich Raumfahrzeuge im Windtunnel verhalten, und konnte dann die Auswirkungen einer schnellen Luftströmung auf Bewegung, Temperatur und physikalische Eigenschaften von Raumfahrzeugen berechnen. Derartige Experimente helfen den Konstrukteuren bei der Entscheidung darüber, welche Werkstoffe für den Bau von Raumfahrzeugen am geeignetsten sind, und sie können auch den Winkel und die Geschwindigkeit ermitteln, mit dem das Raumfahrzeug wieder in die Erdatmosphäre eintreten und sicher landen kann.

 

Die Aerodynamik von Lebensmitteln

1998 ist ROVEMA - Hersteller von Verpackungsmaschinen - mit einer Anfrage an MST Aerospace herangetreten. Die Firma wollte eine Maschine entwickeln, mit der Verpackungen mit leichten Nahrungsmittelprodukten wie Kartoffelchips sehr schnell und ohne sie zu zerkrümmeln gefüllt werden können. ROVEMA ist führend auf dem Gebiet der Verpackungsmaschinen. Der Konzern unterhält Tochtergesellschaften in Österreich, Spanien, Italien, Holland, England und USA. Das Unternehmen bietet eine Reihe von Verpackungsmaschinen an und erweitert seine Produktpalette alle zwei bis drei Jahre, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das stetige Suchen nach Wegen zur Leistungsverbesserung ihrer Maschinen hat ROVEMA dazu veranlaßt, auch Technologien und Know-how aus der Raumfahrt mit einzubeziehen. Nach einigen Überlegungen zeigte sich, daß das wissenschaftliche Problem, einen Kartoffelchip, ohne daß er zerbricht, in einen Beutel fallen zu lassen, vom Konzept her so ähnlich ist, wie das Problem einer sicheren Landung eines Raumfahrzeugs. Bei beiden Problemen muß die optimale Sinkgeschwindigkeit für das sichere Landen des Objekts in Betracht gezogen werden und man muß berücksichtigen, wie sich der Luftstrom auf Temperatur, Struktur, Geschwindigkeit und Richtung des fallenden Objekts auswirkt. MST Aerospace war bekannt, daß HTG auf die Lösung dieser Art von Problemen spezialisiert ist, und hat diese Firma an den ROVEMA-Konzern als Partner für Produktgestaltung und Entwicklung empfohlen.

 

Durch Anwendung der Modellierungs- und Berechnungsmethoden sowie der Meßtechniken, die während der Arbeiten an ESA-Projekten entwickelt wurden, war HTG in der Lage, für ROVEMA ein Abfüllsystem zu entwickeln, das in eine neue Verpackungsmaschine integriert werden konnte. Mit dieser Einrichtung können Lebensmittel um 30 bis 50 Prozent schneller als mit der Standardausrüstung verpackt werden. Die Firma hat auch beim Testlauf der Maschine mit ROVEMA zusammengearbeitet und das System soweit optimiert, bis das beste Verhältnis von Geschwindigkeit und Bruch erreicht wurde. ROVEMA hat den Prototypen der Maschine getestet und Mitte 1999 die Serienproduktion dieser neuen Verpackungsmaschine aufgenommen. Im Mai 1999 wurde die Maschine bereits auf der großen internationalen Handelsmesse für Verpackungen (INTERPACK) in Düsseldorf zum erstenmal der Öffentlichkeit vorgestellt. ROVEMA erwartet, mit diesem innovativen Produkt einen Jahresumsatz von ca. 60 Mio. DM erzielen zu können.

"Leichte" Lebensmittel, wie Kartoffelchips, werden jetzt schneller verpackt